Täglich 20.000 schnelle Entscheidungen!

Sawubona – ich sehe und schätze dich, liebe Leserin, lieber Leser.

Hast du schon einen Plan, womit du die nächsten 8 Minuten verbringen willst? Diesen Text lesen? Alternativ kannst du: Facebook Messages checken, E-Mails überfliegen, deine aktuelle Werbekampagne prüfen oder einen Kaffee zubereiten…

Na, noch da?

Wir haben noch ca. 7,5 Minuten.

„Täglich treffen wir blitzschnell rund 20.000 Entscheidungen“,

sagte Ernst Pöppel, ehemaliger Münchner Hirnforscher.

Jeder Tag startet sofort mit den Entscheidungen: Springst du gleich aus dem Bett oder gönnst du dir noch 5 Minuten? Welche Klamotten wählen: Klassisch die dunkelblaue Hose mit der rosa Bluse dazu oder locker casual? Ist noch Zeit für eine Tasse Kaffee oder lieber ein Coffee-to-go unterwegs? Bei Gelb nicht zögern, sondern schnell Gas geben und über die Kreuzung brettern. Das alles sind unbewusste, spontane Entscheidungen.

Lust weiterzulesen?

um mehr darüber lesen, welche Rolle Erfahrung und Routine bei schnellen Entscheidungen spielen? Aber bist du bereit WhatsApp-Nachrichten und piepende News auf deinem Handy für die nächsten 6 Minuten zurückzu-stellen, obwohl dein Unterbewusstsein danach schreit all das Zeugs sofort zu checken?

Ja? Wow, ich bin beeindruckt!

Schnelle Entscheidungen sind in einigen Berufen normal und an der Tages-ordnung: Notfallmediziner und Rettungssanitäter treffen täglich Blitz-Entscheidungen, um Leben zu retten. Aber auch Menschen im Büro stehen zu gut 60% unter Zeitdruck, wie dass Deutsche Institut für Wirtschafts-forschung (DIW) in Berlin herausgefunden hat. Zu Menschen im Büro zählen auch die meisten Selbstständigen, die sofort reagieren müssen, wenn Prozesse im Ablauf stocken und die angeforderten Produkte an Kunden nicht ausgeliefert werden oder wenn kaum Interessenten auf die neue Facebook-Ads-Kampagne reagieren und die mickrige Ergebnisse die Kosten nicht rechtfertigen. 

Was erzeugt Druck?

Die Unternehmensberatung Kienbaum sieht zwei Entwicklungen, die zu starkem Zeitdruck geführt haben: Schlankes Management mit seinen Denk-prinzipien, Methoden und Verfahrensweisen zur effizienten Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette und die ständige Erreichbarkeit durch Smartphones. Beides nicht neu, aber beides drückt nach wie vor zeitlich auf die Tube und steigert die Erwartungshaltung schnelle Entscheidungen zu treffen. Und was gibt es schlankeres an Organisationen zu finden als Einzel-unternehmen, deren Inhaber Großteile ihres Business auch gern übers Mobile von unterwegs aus steuern?

Selbstständige haben nicht nur selbst Druck, sondern sie nutzen auch bewusst Druck für geschäftliche Vorteile, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Offline wie Online limitieren zeitlich viele Anbieter gerne Angebote zu Sonderkonditionen und fordern damit eine schnelle Entscheidung potenzieller Käufer heraus: „Schlagen Sie JETZT zu, weil es später teurer wird.“ Spontane Entscheidungen mit wirtschaftlichen Auswirkungen.

Blitz-Entscheidungen: Pest und Cholera… 

zu gleich oder gibt es Situationen, in denen sofort aus dem Stand getroffene Entscheidungen die besseren Ergebnisse bringen?

Als ich für eine amerikanische Fastfood Kette jobte, bekam ich zusammen mit Kollegen Sicherheitstraining für das Verhalten im Falle eines Überfalls, wenn wir Geldbomben in den Nachttresor der Bank einwarfen: Niemals kämpfen, ruhig verhalten, die Geldbombe aushändigen und keine Risiken eingehen. Dieses Training wurden regelmäßig wiederholt.

Aber was machte ich als die Situation eintrat?

Ich hatte gerade die Nachttresorklappe außen am Bankgebäude geöffnet und die Geldbombe in der Hand, als ich einen unglaublichen harten Schlag auf den Rücken bekam. Mir blieb die Luft weg und ich konnte mich kaum auf den Beinen halten. Dennoch drehte ich mich um und knallte jemandem mit beiden Händen die schwere Geldbombe um die Ohren. Ich drehte mich wieder um zur Tresorklappe, warf die Geldbombe ein und rannte ins Auto. Meine Begleitung sagte später, dass ich mit hoher Geschwindigkeit über zwei rote Ampeln gerast bin und auf dem Parkplatz vor unserer Filiale eine Vollbremsung mit quietschenden Reifen hingelegt hatte.

Davon wusste ich nichts, fühlte nichts, hatte nichts gedacht, sondern nur funktioniert und das Gegenteil von dem gemacht, was trainiert worden war. BÄM! Erst als meine Kollegin mir einen Kaffee brachte, fing ich so stark an zu zittern, dass ich den Becher nicht festhalten konnte. Die Anspannung löste sich!

Entscheidungen wie in der Steinzeit

„Panik-Stoffe Noradrenalin und Adrenalin haben mich in dieser affektiv-impulsiven Entscheidung wie in der Steinzeit zuschlagen, wegrennen und erstarren lassen.“ So würde wohl Gerhard Roth, einst Hirnforscher an der Uni Bremen und Gründer eines Beratungsinstituts, meine Reakion erklären.

Das hätte auch in die Hose gehen können, wenn ich beispielsweise auf mehr Gegenwehr des Angreifers (keine Ahnung, ob Mann oder Frau, groß oder klein?) gestoßen wäre. Aber derartige Reaktionen auf Autopilot sind aus Rettungen von Menschen und Tieren in Lebensgefahr bekannt. Diese absolut intuitiven Entscheidungen sind Heldentaten, die zu lebensrettenden Ergeb-nissen führen und die nach längerer Abwägung der Entscheidung nicht besser ausfallen, sondern nur wertvolle Zeit vergeuden würden.

Wie gut sind schnelle Entscheidungen?

Neben meiner „Steinzeit-Entscheidung“ hat Gerhard Roth beobachtet, dass mit viel Erfahrung und Übung richtig gute Blitz-Entscheidungen getroffen werden können. In brenzlichen Not-Situationen, wie Flugzeuglandungen auf Wasser oder bei Sturm im Anflug auf die Landebahn, haben sehr erfahrenen Piloten i.d.R. schnelle und bessere Entscheidungen getroffen als weniger erfahrene Piloten. Das sind routinierte Entscheidungen, die schnell, präzise und nicht emotional ablaufen. „Der Entscheider erkennt ein kompliziertes Problem und weiß intuitiv, wie er diese Sache lösen muss“, sagt Roth. 

Riskant können Bauchentscheidungen

werden, wenn Experten völlig veränderte Bedingungen nicht realisieren und trotzdem eine Entscheidung aus ihrer Erfahrung heraus treffen. Dann kann antrainiertes Verhalten zu gewaltigen Fehlentscheidungen führen – trotz Routine und Erfahrung.

Bemerkt? 

Hier hast du mehrfach super schnell entschieden in den letzten 5 Minuten – bewusst oder unbewusst: Gegen Alternativen und dafür, diesen Artikel weiterzulesen! In dieser Zeit hast du hoffentlich Erkennt-nisse gewonnen, die dir mehr helfen als beispielsweise Facebook Messages oder News zu checken.

Vielen ist gar nicht bewusst, dass wir alle täglich wie aus der Pistole ge-schossen Entscheidungen am laufenden Band treffen. Und wenn es mal schwieriger scheint eine Entscheidung zu treffen, dann weißt du jetzt, dass diese Entscheidung nach langem Brüten mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht besser wird als sie schnell zu treffen.

Triffst du deine nächsten Entscheidungen einfach intuitiv, wenn du ein gutes Bauchgefühl hast? Denn mit Rumeiern triffst du nicht unbedingt die bessere Wahl. Und schon ist es wieder soweit einige Fragen zu entschieden: Noch einen Kaffee, deine Facebook Ads überarbeiten oder kurz mit dem Hund raus…?

Ein herzliches Shikoba – Wie schön, dass du den Artikel gelesen hast. Ich freue mich über Anmerkungen und Kommentare.

Deine Ilka Schaufelberger

4 Kommentare zu „Täglich 20.000 schnelle Entscheidungen!“

  1. Sybille Glöß

    Bei größeren oder wichtigen Entscheidungen schlafe ich eine Nacht drüber. Wenn ich es dann immer noch gut finde packe ich es an.

    1. Eine Nacht drüber schlafen, heißt eine Entscheidung in einer kurzen Zeitspanne zügig zu treffen. Gut ist, Entscheidungen zu treffen und nicht auf Sankt Nimmerlein zu verschieben. Herzliche Grüße, Ilka.

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