Sommerloch – Alle Kunden in Urlaub?

Sawubona, liebe Selbstständige und Freiberuflerin,

eine kühne Behauptung, aber was ist dran an dieser These? Das erste Geschäftshalbjahr ist rum. Haben wir uns nicht genau jetzt Urlaub verdient, um wieder durchzuatmen und Energie zu tanken? Oder lohnt es im Sommer gar nicht zu arbeiten? Fährt die Geschäftswelt in der Hitze von Juli/ August die Systeme runter und legt Business auf Eis?

Ursprünglich ist das Sommerloch eine Bezeichnung für eine nachrichtenarme Zeit der Tagespresse und Massenmedien. Gemeint ist die Saure-Gurken-Zeit im Hochsommer, in der es wenig aus Politik, Sport und Kultur zu berichten gibt. Flaute im Juli/ August klingt fast schon ein bisschen nach Lockdown.

Sommerloch – gibt`s das?

Oh ja, Sommerloch liegt nordwestlich von Bad Kreuznach in der Nähe des Nahetals, am Rand des Soonwalds inmitten von Weinbergen und hat ca. 400 Einwohnern. Kein Fake! Ich nehme dich nicht auf den Arm. Es ist ein kleiner Ort, der tatsächlich so heißt.

Die meisten europäischen Länder gehen im Juli/ August in die Schul- oder Werksferien. Deshalb ist Reisehochsaison für Eltern schulpflichtiger Kinder und Angestellte, die sich nach den Werksferien ihrer Arbeitgeber richten müssen. Wer diese Menschen als Zielgruppe hat, wird viele nicht erreichen in den Sommermonaten.

Und deine Zielgruppe?

Wenn du weißt, wie sich deine Zielgruppe im Sommer verhält, ist das Gold wert. Wer kinderlos ist oder erwachsene Kinder hat, macht meist einen Bogen um die teure Reisezeit der Hochsaison. Menschen diese Kategorie sind unabhängig von Schulferien und können das ganze Jahr über reisen. Sie wählen Urlaubszeiten eher nach ihrem Reiseziel: Südafrika, Asien und Skilaufen in den Alpen im Winter oder Mittsommerfest in Schweden sowie Tripps in die Sonne in der Vor- und Nachsaison. Setzt sich deine Zielgruppe gemischt aus Leuten zusammen, die auf die Schulferien angewiesen sind oder diese vermeiden? In diesem Fall ist es einfach: Mach im Sommer deinen Umsatz mit denen, die zu Hause bleiben, und mit den anderen davor oder danach!

Wer hätte das gedacht?

Vor meiner Selbstständigkeit war jahrelang bei meinem Arbeitgeber Dezember der umsatzstärkste und Januar der mit Abstand schwächste Monat im Jahr. Aber nur bis das Unternehmen verkauft wurde. Denn es wurde das Geschäftsjahr nach der Transaktion umgestellt. Es lief nicht mehr wie bisher von Januar bis Ende Dezember, sondern an das Geschäftsjahr des neuen Eigentümers angepasst von Februar bis Ende Januar. Es hatten sich weder unsere Produkte noch die Zielgruppe verändert. Wir waren im gleichen Markt wie all die Jahre zuvor tätig. Es endeten lediglich die Quartale um einem Monat nach hinten verschoben. Das erste Halbjahr endete nicht Ende Juni, sondern fortan Ende Juli mitten im Sommerloch. Sofort im ersten neuen Geschäftsjahr mutierte der vormals gewohnt schwache Juli (Argument Sommerloch!) zum zweitstärksten Umsatzmonat im Jahr. Bitte??? Noch mehr überraschte uns, dass wir alle im ehemals dünnsten Umsatzmonat Januar die höchsten Umsätze des gesamten Jahres einfuhren – dauerhaft Jahr für Jahr!

Was war passiert?

Wir wollten gute Zahlen abliefern und uns nicht im weltweiten Vergleich im Unternehmen blamieren. Noch vor den Quartalszahlen waren das Halbjahresergebnis Ende Juli und der Jahresabschluss Ende Januar die wichtigsten Umsatzmarken im Geschäftsjahr. Darauf fokussierten wir uns und darauf richteten wir unsere Energie und Aktivitäten aus. Verkäufer erhielten jeden Monat Provisionen für erreichte Ziele. Aber es gab obendrauf Sondervergütungen für hervorragende Halbjahres- und Jahresendergebnisse. Das waren attraktive Boni, die niemand liegenlassen wollte. Sommerloch? Was für ein Sommerloch? Also Juli war nicht mehr Sommerloch, sondern mauserte sich zum Bombenmonat!

Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende,

denn der vorherige Umsatzchampion Dezember schwächelte fortan. War ja klar. Dezember ist wegen der Weihnachtsfeiertage nicht nur ein sehr kurzer Monat, er leidet auch unter der Phase zwischen Weihnachten und Neujahr, in der kaum etwas geht – sozusagen dem Winterloch! Als Dezember noch Jahresabschlussmonat war, spielte das keine Rolle. Niemand dachte darüber nach. Alle hatten ihren Jahresabschluss im Visier und machten Umsatz wie geschnitten Brot. Im verschobenen Geschäftsjahr konzentrierte sich unser ganzes Denken auf einen grandiosen Jahresabschluss Ende Januar und Dezember war die Vorbereitungsphase dafür.

Kopfgespenst?

Die Story belegt, dass Umsatzhöhen nicht vom Monat abhängig sind, sondern von Planung, Zielen und vor allem durchgeführten Aktivitäten, mit denen die Ziele erreicht werden sollen. Kraftvolle Aktionen im Juli fruchten genauso wie Abschlüsse zwischen Weihnachten und Neujahr. Du musst nur wissen, wann diejenige, die die Unterschrift leisten soll, erreichbar ist, um den Deal abzuschließen.

Spannend an der Sommerzeit ist, dass viele deiner Wettbewerber Urlaub machen. Es gibt also deutlich weniger Kampagnen und Werbung im Hochsommer. Klingt das für dich nach Chancen? Freie Bahn für Umsatzmacherinnen, die diese Zeit gewinnbringend nutzen wollen und selbst außerhalb der Sommermonate Urlaub machen.

Wie viel arbeitest du im Jahr?

Das Jahr hat 52 Wochen und 10-12 Feiertage, je nach Bundesland. Ich lebe in Niedersachen mit 10 Feiertagen und gönne mir 6 Wochen Urlaub jährlich. Damit komme ich auf ca. 220 Arbeitstage im Jahr. Ende August/ Anfang September radel ich von Hamburg nach Kopenhagen. Im Winter plane ich noch einmal 8 Wochen Reisezeit in der Sonne ein, wovon ich 4 Wochen unterwegs arbeiten werde. Entsprechend plane ich meine Business-Aktivitäten. Im Hochsommer generiere ich Umsatz wie schon in den Jahren zuvor.

Fazit

Wir haben festgestellt, dass das Sommerloch geographisch nordwestlich von Bad Kreuznach liegt. Wirtschaftlich betrachtet sind die Monate Juli/ August keine Saure-Gurken-Zeit. Es sei denn, du glaubst an das Märchen der sommerlichen Flaute. Ich habe aufgezeigt, dass es reine Kopfsache ist. In wenigen Ausnahmefällen, wenn beispielsweise alle Kunden Werksferien machen und du genau nur in diesem Markt agierst, ist es schwierig Abschlüsse zu erzielen. Dann ist die Zeit besser genutzt für Vorbereitung der kommenden Herbstmonate. Aber generell gilt, dass Vertriebsaktivitäten jedem Monat im Jahr Umsätze ermöglichen – auch im Sommer.

Selbstständige Frauen sind frei in ihrer Business- und Urlaubsplanung. Wer online arbeitet und unabhängig von Schulferien ist, kann reisen, wann immer sie will. Die Digitalen Nomaden machen es vor – auch zu Pandemiezeiten. Wirtschaftlich betrachtet, ist das Sommerloch die beste Ausrede für niedriger ausfallende Umsätze, denn es bezeichnet nach wie vor lediglich die Sommerpause in der Presseszene.

Shikoba, inspirierende sommerliche Grüße.

Deine Ilka

P.S. Machst du Ferien oder arbeitest du im Hochsommer? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

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